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Repression

10-Punkte-Plan zur Prävention und Bekämpfung des Crystal-Konsums

Der 2. Sächsische Drogen- und Suchtbericht wurde am 24. Januar 2014 veröffentlicht. Dieser stellt die gesamte sächsische Strategie der Drogen- und Suchtpolitik – basierend auf Prävention, Beratung und Behandlung, Überlebenshilfe sowie Angebotsreduzierung und Repression – dar. Dabei arbeiten alle Staatsministerien zusammen.
Einen Teilbereich bildet die aktuelle Problematik mit der Droge Crystal (Methamphetamin). Die synthetisch hergestellte Substanz stimuliert Geist und Körper, so dass Grundbedürfnisse wie Schlafen, Hunger, Durst aber auch Empfindungen wie Schmerzen zurückgestellt werden können. Langfristige Folgen regelmäßigen Crystal-Konsums sind starke körperliche und psychische Schäden, wie z. B. Schädigung von Haut und Zähnen, Absterben von Nervenzellen, Halluzinationen, Gedächtnisverlust, Panikattacken, Aggressionen.

Alle Maßnahmen berücksichtigen die besonderen Herausforderungen der Droge Crystal und fügen sich zugleich in die Gesamtstrategie zur Suchtprävention ein. Die Staatsministerien führen die Maßnahmen unter dem Dach des Landespräventionsrates durch.

Folgende Trias aus den Säulen:

A. Prävention durch Information
Bereits der Erstkontakt mit den Drogen soll vermieden werden. Dazu werden präventiv alle relevanten Informationen auf einer Online-Plattform zusammengestellt, um besonders Arbeitgebern, Lehrern, Eltern, kommunal Verantwortlichen, Trainern, Sozialarbeitern und Ärzten das Wissen zu geben: wie sehen die Substanzen aus, wie wirken sie, welche Gefährdungen entstehen und was können sie tun.

B. Beratung und Behandlung
Erstkontakt bzw. Erstauffälligkeit/-konsum sind die entscheidenden Schlüsselpunkte. An dieser Stelle muss das Hilfesystem greifen, um eine Abhängigkeit zu verhindern oder zu beenden. Die Akteure werden durch gut vernetztes Handeln, Erkennen der Symptome und abgestimmtes Vorgehen bestmöglich intervenieren.

C. Repression
Die Verfügbarkeit von Crystal wird durch Erhöhung des polizeilichen Kontroll- und Verfolgungsdrucks auf Herstellung, Handel und Schmuggel eingeschränkt. Dies geschieht durch Aufdeckung der Drogen-Labore, Quellen und Verbringungswege von Ausgangsstoffen zur Herstellung, insbesondere in enger Zusammenarbeit mit der Tschechischen Republik.

  1. Online-Plattform und -Beratung: alle Informationen auf einen Blick
    Eine umfassende Webplattform unter Verweis auf etablierte Onlineberatungs- und Informationsangebote entsteht. Sie bietet allen Bürgern die erforderlichen Informationen. Wie sehen die Substanzen aus, wo tauchen sie auf, wie wirken sie, welche Gefährdungen entstehen und was kann konkret getan werden. Ergänzend stehen Berater im bereits etablierten Hilfesystem für alle Fragen zur Verfügung (online und persönlich im Suchthilfesystem regional). Ergänzt wird das Angebot durch klassische Printmedien.
  2. Ansprechpartner und Hilfe: in allen sächsischen Regionen
    Das bestehende Suchthilfesystem bietet in allen Regionen vor Ort Beratung und Behandlung an. Dieser Bereich wird weiter ausgebaut. Im kommenden Doppelhaushalt sind dafür 1,4 Mio. Euro mehr geplant. An allen weiterführenden Schulen steht ein kompetenter Ansprechpartner für Rat und Hilfe suchende Lehrer, Eltern und Schüler zur Verfügung. Die Schulleiter informieren über die Schulkonferenz auch die Eltern- und Schülervertreter über die Crystal-Thematik sowie bestehende Hilfs- und Unterstützungsangebote.
  3. Informationskampagne: vor Ort Handlungssicherheit schaffen
    Alle Maßnahmen werden begleitet durch eine Informationskampagne, um die Onlineplattform landesweit bekannt zu machen (z. B. auch durch Amt24). Der Zugang zu den Fachinformationen wird außerdem durch Fortbildungen und Konferenzen geschaffen. Der Freistaat Sachsen wird ausführlich die Öffentlichkeit über die Landespressekonferenz informieren.
  4. Fortbildungen und Konferenzen: Fachwissen an die Zuständigen
    Wissenstransfer und Sensibilisierung erfolgt über Fortbildungen und Konferenzen für Schulen, Universitäten, Ausbildungsbetriebe in Handwerk, Landwirtschaft und Industrie sowie für Eltern, Sozialarbeiter, Ärzte, Hebammen und Polizisten als konkrete Ansprechpartner. Schulen werden gezielt und fundiert über Hintergründe, Merkmale, Gefahren und Auswirkungen des Crystal-Konsums sowie über Hilfsangebote informiert. Bspw. wird in Ergänzung bereits vorhandener Fortbildungsangebote zum Thema Suchtgefahren im Rahmen der regionalen Fortbildung eine Veranstaltung insbesondere – aber nicht nur – für Beratungslehrer weiterführender Schulen durchgeführt. Die Inhalte werden von Suchtexperten und den drei Ministerien SMK, SMS und SMI in Anlehnung an bereits durchgeführte Maßnahmen des Sozialministeriums konzipiert.
  5. Lebenskompetenzen bei Kindern stärken: Sucht präventiv vermeiden
    Kinder werden in speziellen Programmen in ihrer positiven Einstellung zur Gesundheit gestärkt. Dazu gehören das Wissen über den eigenen Körper, Bewegungsübungen, gesunde Ernährung und Entspannung. Besonders der Umgang mit Gefühlen sowie Stress und Strategien zur Problem- und Konfliktlösung werden vermittelt. So werden Kinder früh präventiv in die Lage versetzt, ihr Leben ohne Drogen und gesundheitsschädigendes Verhalten zu gestalten. Das Anfang 2014 eröffnete »Lebenskompetenzportal« für sächsische Schulen mit dem Themenfeld Suchtprävention, in dem bereits die Sucht- und Drogenproblematik enthalten ist, wird kontinuierlich um Fachinformationen, Materialien und Links zum Thema ausgebaut.
  6. Kooperation und Vernetzung: alle relevanten Akteure einbinden
    Die regionale Suchtprävention und -hilfe soll besser verknüpft werden. Neben den Kommunalverwaltungen betrifft dies alle weiteren relevanten Akteure. Auch der Landesschülerrat und der Landeselternrat werden auf geeignetem Weg kontinuierlich über Gefahren des Drogen-Konsums – insbesondere zu Crystal – und über bestehende Hilfsangebote des Freistaates informiert.
  7. Soforthilfe für erstauffällige Konsumenten: Abhängigkeit frühzeitig verhindern
    Die Meldewege aus allen Systemen sind zu verbessern, um frühzeitig den Konsumeinstieg aufzuhalten und die Abhängigkeit möglichst zu verhindern. Besonders Haus- und Zahnärzte, Pädagogen und Polizisten sind hier in der Verantwortung. Ziel ist die schnelle Überführung in das bestehende sächsische Sucht-Hilfesystem.
  8. Nationale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter ausbauen: Herstellung bekämpfen
    Seit Dezember 2012 werden durch eine eigene »Bekämpfungskonzeption Crystal« der Polizei und eine enge Zusammenarbeit mit den in der Tschechischen Republik zuständigen Behörden sowie der Justiz, verstärkt die Drogen-Labore, Quellen und Verbringungswege von Ausgangsstoffen zur Herstellung von Crystal aufgedeckt.
  9. Erhöhen des polizeilichen Kontroll- und Verfolgungsdrucks: Handel und Schmuggel reduzieren
    Der Fahndungsschleier im grenznahen Raum wird gezielt ausgerichtet, um Dealer und Konsumenten vom Drogenerwerb und Verkauf abzuhalten. Fahndungs- und Kontrollstrukturen werden verstärkt auf das Erkennen und Verfolgen der illegalen Einfuhr und des Schmuggels von Crystal fokussiert; u. a. durch gemeinsame Fahndungsgruppen mit der Bundespolizei und internationale Fahndungsgruppen. Auch im Landesinneren wird verstärkt Fahndungsdruck ausgeübt, um Beschaffungskriminalität zu bekämpfen.
  10. Lagebild verbessern: Konzentration der Informationen und Ermittlungsverfahren
    Alle Daten zu Crystal fließen in ein umfassendes Lagebild, in das unter anderem die Daten des Suchthilfesystems, der Polizei, der Justiz, des Zolls, aus dem Bereich der Schulen, Jugendhilfe und der Wissenschaft einfließen. Dies hilft, Prävention und Repression zielgenau zu verbessern.
    Ermittlungsverfahren werden auf das Erkennen von Täterstrukturen ausgerichtet. Dies geschieht durch Verbesserung des Informationsmanagements und die Optimierung der strategischen und operativen Auswertung.

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